Chronik

Eine ziemlich ernsthafte Schilderung

Runentafel – gewidmet Ostara – der Göttin des wiederkehrenden Frühlings

über Barksen
in der Ortschaft Hohenstein

Verfasser: Ferdinand Alms
Stand: 08.03.2017

Anmerkungen:

Wenn man ein Haus bauen will, ist es gut zu wissen, auf welchem Grund es zu stehen kommt.
Wenn jemand in Barksen seinen Lebensschwerpunkt festmachen will, fragt er sich wohl: „Was ist das für ein Dorf, wie hat es sich entwickelt, dass es so wie heute ist?“
Diese Chronik auf der Internetseite soll dafür in kurzer Form sowohl die Vorgeschichte als auch die aktuelle Situation des Ortes und seiner Umgebung beschreiben und dazu weitere Arabesken liefern.

Drei Jahre Mühe hat es gemacht: Den letzten Lehrer der Barkser Volksschule zu besuchen, im Kloster Loccum, im Niedersächsischen Staatsarchiv in Bückeburg und im Archiv der Stadt Hessisch Oldendorf mehrfach nach dem Ursprung des Dorfes zu forschen; (auch plattdeutsche) Gespräche mit Bewohnern des Dorfes, die sich dafür die Zeit nahmen; erfüllte Bitten um Fotos aus der Vergangenheit und nicht zuletzt das Stöbern nach Hintergrundinformationen in den Kirchenbüchern und auf allerlei Dachböden, viele Kleinarbeit erweiterte das geschichtliche und gesellschaftliche Weltbild von Edith Patzelt ungemein.  Und sie ist heute noch glücklich über dieses „Lebenswerk“!
Wer an tiefergehenden Informationen interessiert ist, findet sie in ihrer Chronik Barchusen – Barksen  Aus der Geschichte unseres Dorfes. Sie wurde herausgegeben von der Dorfgemeinschaft Barksen und ist dort noch erhältlich.


In der Karolingerzeit:
Während der seit 772 n. Chr. fast 33 Jahre andauernden Sachsenkriege war es Karls des Großen unbedingtes Ziel, die heidnischen Sachsen dem Christentum zuzuführen.
Als er im Jahre 782 auf dem Reichstag zu Lippspringe das bereits besetzte, aber nicht beherrschte Land Sachsen in fränkische Grafschaften aufteilte sowie die sächsischen Thing-Versammlungen abschaffte, entfachte er damit den Zorn des Sachsenherzogs Widukind.
In der Schlacht im Blutbachtal (Süntel) – hier besser bekannt als „Die Schlacht auf dem Dachtelfeld”- vernichtete Widukind fast das ganze fränkische Heer, während Karl der Große selbst im Osten gerade die Sorben „christianisierte“. 1)
Letzterer revanchierte sich sofort und ließ beim berüchtigten Blutgericht in Verden über tausend Sachsen – manche Chronisten berichten von 4500 – enthaupten.
Drei Jahre später ließ sich Widukind taufen. Taufpate war König Karl der Große, der sich – nicht zuletzt als Verdienst für die vollständige Bekehrung der Sachsen – am Weihnachtstag des Jahres 800 von Papst Leo III. zum Kaiser  krönen lassen konnte.

Das Blutbachtal liegt eine halbe Wegstunde nordöstlich von Barksen am Fuße des Hohensteins, sein oberer Teil wird auch „Totental“ genannt.

  • Wenn ich mir die Landschaft im Hohensteingebiet des Jahres 782 vorstelle, kommen mir Zweifel über eine Schlacht in dem dicht bewaldeten Totental:
    Wie will man da zwischen den Büschen und Bäumen dem Gegner mit einem Schwert  den Kopf abschlagen, so dass der Bach sich rot vom Blute färben kann?
    Eine Schlacht nebenan auf dem damals weniger bewachsenen Dachtelfeld im Bereich der Blutbachquelle erscheint mir viel wahrscheinlicher.
    Vielleicht haben die Franken die Schlacht aber auch verloren, weil in diesem Waldgebiet damals noch so viel „Teufelsholz”
    wuchs[mutierte Buchen, heute Süntelbuchen (Fagus sylvatica var. suentelensis) genannt], das ihnen die Orientierung nahm. Immerhin war es die einzige Schlacht, die Karl der Große in den Sachsenkriegen schmachvoll verloren hat.
    Trotz (oder wegen) ihres Sieges war seither den Sachsen die heidnische Feuerbestattung und das Essen von Fleisch an Fastentagen verboten, und der christliche Glaube war nun Staatsreligion.

Im Mittelalter:
In einer Urkunde 132. vom 4. Febr. 1244 wurde erstmals die Person Meinfridus von Barchusen im Zusammenhang mit einem Eigentumsstreit zwischen dem Bischof von Minden und den Grafen von Scowenborg (Schaumburg) erwähnt.
Im Jahre 1319 wurde eine Urkunde im Kloster Loccum mit einer Benennung der Ortsbezeichnung Barchusen archiviert.
Barchusen ist mit Berghausen zu übersetzen und wurde durch Sprachverschiebungen zu Barksen. 2)

  • Man würde den Streithansl Meinfridus heute wohl Manfred nennen und der Name bedeutet Mann des Friedens. Dies sollte bei künftigen Namensgebungen mal bedacht werden!

Nach der Reformation:
Im Dreißigjährigen Krieg belagerte das katholische  Heer die Stadt Hameln. Im Juni 1633 kam es im Bereich Welsede – Rohden – Barksen – Hessisch Oldendorf  mit den Kaiserlichen Truppen (Söldner aus verschiedenen, katholischen Ländern) und den verbündeten evangelischen Schweden unter Herzog Georg von Braunschweig-Lüneburg  zu einem in dieser Zeit üblichen Gemetzel mit fast 30.000 Mann.
Ergebnis: Über 5000 Tote, die Evangelischen gewannen, die Hansestadt Hameln war befreit und Norddeutschland blieb protestantisch.

  • Die Schlacht mit ihren Nebenwirkungen hatte zur Folge, dass der größte Teil des Getreides (Roggen und Buchweizen) in der Gemarkung vernichtet und damit besonders die Kleinbauern mit ihren kargen Äckern in Not gebracht wurden. Die damaligen Kleinkötner und Brinksitzer hatten kaum Geld; und keine Möglichkeit, sich im nächsten Laden fehlende Lebensmittel kaufen zu können. Außerdem hungerte die Bevölkerung infolge der bei allen Kriegsparteien üblichen Requisition und  Plünderungen sowieso schon unsäglich; es herrschten grausame Zeiten in Barksen.
    Aus dieser Zeit stehen heute noch mindestens zwei Brinksitzerhäuser in Barksen.

Vor dem 1. Weltkrieg:
„Um einen fühlbaren Mangel zu beseitigen“ – so das Protokoll – „beschlossen im Februar 1901 eine Anzahl Bewohner des Ortes Barksen, einen Männergesangverein zu gründen.“ Er wurde Liedertafel Barksen getauft, gab sich eine Satzung, dessen „Arbeitsgebot die Pflege des Volksliedes sein soll, … den Sinn für das wahrhaft Schöne und Edle zu pflegen und zu fördern“ und hatte Ende des Gründungsjahres bereits 27 Mitglieder. 2)
Und danach:

  • Ab 1935 wurden keine Protokolle der Liedertafel mehr geführt; wohl weil es noch edleres gab, als Deutsches Liedgut zu pflegen, und weil ab 1939 auch viele  Sangesbrüder abwesend waren.

Nach dem 2. Weltkrieg:
In den letzten Tagen des Krieges wurde – nach der Befreiung von Hameln und Rinteln am 7. April 1945 durch amerikanische Truppen – der „Weserkessel“ um Hessisch Oldendorf weiterhin verteidigt.
Bis zum 11. April wurde das letzte 8,8-cm-Geschütz der Flakabteilung 82 am Waldrand oberhalb von Barksen („Schreberkuhle“, rechts neben dem Waldparkplatz) durch Beschuss ausgeschaltet. Die letzte deutsche Granatwerfereinheit setzte sich am Mittag dieses Tages über Barksen und Zersen zum Hohenstein ab und „versenkte“ oberhalb des Kreuzsteins  die Fahrzeuge im Blutbach. Am Abend war der Weserkessel befreit.3)

  • Auf dem Lande wurden aus naheliegenden Gründen Schweine gefüttert. Während des Krieges war immer zu befürchten, beim Schwarzschlachten erwischt oder – noch schlimmer – denunziert zu werden. Manche litten deshalb unter der kargen Kost; das war nun vorbei. Aber schon vor April 1945 mussten „Ausgebombte“ aus deutschen Städten und Flüchtlinge, die aus ihrer ostdeutschen oder tschechischen Heimat vertrieben worden waren, einquartiert werden. In fast allen Häusern wurde es eng, sehr eng.
    Ab 1948 gab es bei der Liedertafel Barksen wieder Aufzeichnungen über „Singübungsabende“ im (einklassigen) Schulgebäude und über ein Sängerfest im Zelt im gleichen Jahr.
    Eine Gründerzeit begann. Der sogenannte Lastenausgleich  ermöglichte es, mit vergünstigten Krediten der KfW in Barksen sesshaft zu werden: Neue Häuser konnte man nun bauen, mit viel Lehm und Nachbarschaftshilfe. Die neuen Mitbürger
    wohnen zum Teil noch heute hier.

Der auflebende Neubau von Wohnhäusern im Ort führte 1965 dazu, dass in Barksen eine Ortsgruppe des damaligen Deutschen Siedlerbunds gegründet wurde.

In den Jahren 1972 und 1973 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Langenfeld, Barksen, Zersen, Wickbolsen, Krückeberg in die Stadt Hessisch Oldendorf eingemeindet und  in der Ortschaft Hohenstein zusammengefasst.

Hessisch Oldendorf besteht aus den Ortschaften Fischbeck, Großenwieden, Hemeringen, Hohenstein, Rohdental, Sonnental und Süntel sowie Hessisch Oldendorf.

Seit dem Inkrafttreten der Gebietsreform am 1. August 1977 gehört die Einheitsgemeinde Hessisch Oldendorf zum Landkreis Hameln-Pyrmont. Die zuständigen Gremien hatten mit großer Mehrheit für das Ausscheiden aus dem Landkreis Grafschaft Schaumburg gestimmt.

Erste Erwähnung der Dorfgemeinschaft:
Im Oktober 1981 beschlossen die Vorsitzenden der Barkser Vereine, der Siedlerbundgemeinschaft sowie der damalige Barkser Ortsrat eine Dorfgemeinschaft zu gründen. Zweck war vordergründig der Bau einer Schutz- und Wanderhütte.
Ein Bauantrag dafür wurde im Januar 1982 gestellt; am 25. April erst fand eine Gründungsversammlung des Vereins statt und am 21. Juli wurde die Hütte eingeweiht. Die Kosten betrugen etwa 7.000 DM.

Im Jahre 1992 wurde die Dorfgemeinschaft  ein eingetragener Verein und damit gemeinnützig.  Anlass und Grundlage dafür war die Finanzierung der in den obigen Anmerkungen erwähnten Dorfchronik.
Im Jahre 2010 wurde die Satzung für die Gewinnung neuer Mitglieder geändert und danach ein neuer und erweiterter Vorstand gewählt. Am 31. Dezember des Jahres ging diese Website „on air“.
Im Juni 2014 besuchte eine Kommission Barksen zur Bewertung seiner Zukunftsfähigkeit. Von 9 teilnehmenden Gemeinden des Landkreises  belegte Barksen den vierten Platz. Kreissieger wurde unser Nachbarort Zersen.
In diesem Jahr hat sich anlässlich einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung am 18.  Februar 2017 bei der Dorfgemeinschaft ein neuer Vorstand etabliert (siehe auch Seite Kontakte)!

Die Gegenwart:
Am 01.01.2017 hatte  Barksen 455 Einwohner. 33 fehlen seit dem letzten Jahr; für eine ausgeglichene Frauenquote fehlen derzeit neun Einwohner weiblichen Geschlechts.
Von den ausländischen 4 Dorfbewohnern kommt einer aus einem Land außerhalb der EU.

Die Siedlergemeinschaft hat 219, die Dorfgemeinschaft e.V.  110 und der Männergesangverein Liedertafel Barksen 90 Mitglieder, von denen 37 aus den umliegenden Ortschaften kommen.
Die aktiven „Sangesbrüder“ des Vereins üben im Gemeinschaftsraum des Feuerwehrhauses. Sie leiden unter einem Nachwuchs-mangel jüngerer Sänger, und so gibt es Schwierigkeiten, den Gesang noch vierchörig zu gestalten.
Im Jahre 2016 wurde das 115-jährige Jubiläum gefeiert.

Seit Februar 2012 gibt es in Wikipedia eine Seite Barksen. Was sollte noch hinzugefügt werden?


Quellen:

1) Kreisgeschichte Kreisarchivarin Karin Schaper
2) Barchusen – Barksen von Edith Patzelt (1993)
3) Damals von Heinz Meyer ISBN 3-87725-094 (1983)
sowie  persönliche Ergänzungen vom Verfasser in blauer Schrift©

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